Freiheit für Flummis

Vor sehr vielen Jahren fragte mich mal eine Paar-Therapeutin, ob ich mich manchmal „falsch“ in meiner Beziehung fühle. Ich antwortete sofort mit ja. Ich wusste sofort, was sie damit meinte. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich in meiner Beziehung weder verstanden, noch gesehen oder gar geliebt.

 

Sie sagte zu mir: „Sie sind ein Flummi. Und dieser Flummi will springen. Und sie erlauben es sich nicht.“

 

Auch hier wusste ich sofort, was sie mir sagen wollte, denn in diesem Moment fiel mir ein längst vergessenes inneres Bild wieder ein, welches ich offensichtlich tief vergraben hatte:

Eine Sommerwiese, blauer Himmel mit einigen Puderwölckchen. Auf der Wiese ein wadenhoher Zaun. Ich nehme Anlauf – und springe drüber. Nicht alleine. Hand in Hand mit einem geliebten Menschen. Keine Ahnung, mit wem. Mein Gefühl dabei jedoch ist glasklar:

 

Absolute Leichtigkeit, Freude, Wahrheit.

Und unendlicher Spaß.

 

Kennst du das noch von früher, als du von einer Pfütze in die nächste gesprungen bist? Was für ein Spaß war das!

 

Dieser Moment, während ich über diesen Zaun springe, beeinhaltet alles, bewertet nichts. Pure Liebe, Freude, Fülle. Dieses Bild hatte ich schon in mir seit Kindertagen. Vermutlich wartete ich auf diese andere Person, mit der ich springen könnte. Und wenn ich sie gefunden hätte, wäre ich gesprungen. Ich fand sie aber nicht. Und so begrub und vergaß ich irgendwann dieses Bild. Und irgendwann auch dieses Gefühl der Leichtigkeit und Freude. Hielt es irgendwann für Utopie. Naja, es gehen eben nicht alle Träume in Erfüllung. Wär ja auch zu schön gewesen. Das Leben ist kein Ponyhof.

 

Und dann erzählte mir diese Therapeutin etwas über Flummis … zuerst war ich überrascht, dann schockiert und letztlich sehr traurig. Dann kam der Mut ganz leise um die Ecke und ich versuchte, meinen Flummi springen zu lassen. Nur mal gucken, was passiert. Schön war das. Aber schon schnell merkte ich, dass der Raum, den der Flummi auch in meiner Beziehung forderte, nicht vorhanden war. Der Raum war zu eng - Flummis sind nicht kontrollierbar. Nicht jede Beziehung bietet Raum für Wachstum, Ent-Wicklung und Ent-Faltung.

 

Und so packte ich ihn wieder dahin zurück, wo er herkam. In die Kiste der Vergessenheit. Doch konnte ich ihn nie wieder vergessen. Er brachte sich immer wieder in Erinnerung und hat sich seinen Platz geholt: Heute ist er glücklicherweise Bestandteil meines täglichen Lebens. Eine Kiste braucht er nicht mehr.

 

Wie oft machen wir uns falsch, weil wir denken, dass wir so, wie wir sind, nicht genug sind und so nicht geliebt werden können? Wir verbiegen uns, passen uns an, tragen Masken, spielen Rollen, um anderen zu gefallen und anerkannt zu werden – beruflich und privat. Aus Angst, das der andere uns verlassen könnte. Und am Ende stellen wir dann fest, dass es so nicht funktioniert und der andere uns vielleicht gerade deshalb verlässt, WEIL wir uns falsch gemacht haben.

 

Ändern wir nichts, finden wir uns manchmal in einem Burnout wieder, in einer Krankheit oder anderen Formen von Krisen.

Wenn wir wollen, entpuppen Krisen sich als Chance, endlich uns selbst zu begegnen - echt und unverfälscht. Und dann finden wir ihn wieder: Unseren Flummi.

 

Dieses Gefühl der grundlosen Freude und Leichtigkeit ist so wunderbar und ich frage mich immer öfter:

 

Was wäre, wenn auch du deinem Flummi die absolute Freiheit schenkst?

Was wäre dann noch alles möglich?

Was, wenn du Leichtigkeit als deine neue Haltung zum Leben wählst?

 

Und was, wenn das Leben DOCH ein Ponyhof ist?
 

Das Leben darf einfach sein.

 

Sonnige Grüße

Katharina